Der Kampf mit dem Dämon: Hölderlin, Kleist, Nietzsche


 
Literarische Helden hautnah und nicht perfekt
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Der Kampf mit dem Dämon: Hölderlin, Kleist, Nietzsche (Taschenbuch) Stefan Zweig hat mal wieder ein Meisterwerk abgeliefert. Und er hat drei "Helden" der deutschen Sprache aufs Korn genommen. Er zerlegt die drei Herren, die so nachhaltig in die deutsche Sprache Eingang gefunden haben vor den Augen des Lesers. Menschliche und charakterliche Schwächen - und daran mangelt es wahrlich nicht! - werden haarklein beschrieben und darin erkennt Zweig meist schon die Wurzel des "Bösen" oder das Fundament zum Scheitern.

Hölderlin: Der Held auf den die Mutter und die Tante ihre ganzen Hoffnungen setzen. Ein Tagedieb, der auf seine große Chance hofft und wartet und doch in seiner Isolation gefangen ist und sich nicht aus ihr zu befreien weiß.

Kleist: Der rastlose Tunichtgut, der immer wieder von seinen nervösen Nerven gejagt wird und sich in halsbrecherische Abenteuer und Gefahren stürzt und bis zum Schluss mal ängstlich, mal frech dem Schicksal ins Gesicht lacht - und doch letzten Endes dramatisch vor dem Schicksal kapituliert.

Nietzsche: Der kongeniale und stets missverstandene Philologe, der sich in den Bereich der Philosophie verirrt; stets krank, stets den Wohnort wechselnd, stets von den blitzartigen Nervenschlägen geplagt, stets arbeitsam und unverstanden, von den Kollegen des Fachs immer belächelt und verspottet und gegen Ende verachtet und verhasst.

Zweig skizziert den Weg des Scheitern bis zum Tode einschließlich bei allen drei historischen Figuren: immer ehrlich, immer schattenscharf analysierend, aber nie anklagend. Man schwankt zwischen Mitleid mit den Figuren und Entsetzen über die Unentschlossenheit (Hölderlin) oder die Rastlosigkeit (Kleist) oder die Nervosität (Nietzsche).

Zweig hat eine unnachahmliche Charakterstudie für die drei Helden vorgelegt, die von Ihren jeweiligen Dämonen gejagt und gehetzt werden und jeweils in den Abgrund getrieben und gerissen werden. Wer die drei "Großen" der deutsche Sprache bzw. Literatur mal unter der "Charakter-Lupe" betrachten will ist goldrichtig bei dem Buch.

Relativ kurz und knappe Kapitel machen es schnell und einfach lesbar. Viel Spaß dabei!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 18. Februar 2011
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