Der Kampf mit dem Dämon: Hölderlin, Kleist, Nietzsche


 
Und aus den Worten wird Gesicht
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(TOP 500 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Stefan Zweig. Gesammelte Werke in Einzelbänden: Der Kampf mit dem Dämon: Hölderlin, Kleist, Nietzsche. Gesammelte Werke in Einzelbänden (Gebundene Ausgabe) Ich weiss wirklich nicht, wann ich das letzte Mal ein solch dichtes, nachdenklich-zauberhaftes Buch gelesen habe, so voll Dunklem, voll Zaudern und Erschaudern, voll Ehrfurcht und Leidenschaft fuer Leben und Tod.
Stefan Zweig gliedert Dichter in grundsaetzlich zwei Sphaeren: in die Gesunden, mit dem Leben Verwurzelten, die ihr Haus in Gedanken bauten, wie auch im Leben - und in die Sphaere der Lodernden, Daemonischen, Gehetzten, jener, die ein Leben lang weiterzogen, auf der Suche waren, vielleicht nach Fragen, aber sicherlich nach dem Hoechsten, und dies unter Aufopferung ihres Ichs.

"Jeder schoeperische Mensch erfaehrt so den Kampf mit seinem Daemon, und immer ist es ein Heldenkampf; immer ein Liebeskampf."

"Wie immer hat das Heldenhafte keinen gefaehrlicheren Widersacher als gerade die zaertlich Wohlmeinenden, die das heilige Feuer mit sorglichem Atem niederdruecken zur haeuslichen Herdflamme."

"Nur wer die ganze Hoelle in sich trug, konnte so um Gott ringen."

Ueberreizter Schreiton, Foehnhimmel, halb Stammeln - halb Gebet, ... leere Meilensteine laengst eines mit brennenden Fluegeln durchmessenen Weges, kalte Kulissen, sprachlose Farbe... Stefan Zweig lebt mit den Gestalten, seine Worte beruehren, treffen. In den Wiederholungen wird aus dem Text deutlicher und klarer ein Gesicht erkennbar - und der Leser darf verstehen, dass hier nicht nur vier Gestalten aus der Geschichte zusammentreffen, sondern dass hier das Gesicht eines Lebensweges gezeichnet wird. Ein wunderbares Buch, nicht nur, um Hoelderlin, Kleist und Nietzsche nahezukommen und sie unter einer Idee zu vereinen, auch, um zu verstehen, was manche Menschen treibt, auch das letzte Hemd, den letzten Freund noch der Idee zu opfern.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 17. September 2003
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