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Alexanders Rede an seine Soldaten...

Beschreibung:  Ein Gedicht von Friedrich Hölderlin
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Alexanders Rede an seine Soldaten bei Issus


Erhaben glänzend sieht, und wie ein Gott
Auf seine Schaaren Alexander hin,
Wo jeder Spieß dem weit zerstreuten Feind
Vereint durch gleichen Muth die Flucht empfiehlt.
Sein scharfer Heldenblik belebt das Heer,
Das jede drohende Gefahr vergißt.
Sein rasches Pferd, das Siegesfreude schnaubt,
Trägt ihn durch ihre Glieder; dan spricht er:
Ihr Macedonier, ihr deren Muth
Athen einst, das an Tapferkeit euch glich,
Unwissend schwacher Flucht, bezwang:
O tapfre Krieger, die ihr Philipps Thron
Bevestigtet, um auch mir treu zu seyn!
Es hob sich euer Schwerdt, ihr wart nicht mehr
Mit dichten Mauren, voll von Todt, umringt.
Erst fiel Böotien; die stärkste Stadt
Daraus (stark war der Mauren Wehr)
Auch sie fiel gänzlich unter euren Fuß. -
Und, Krieger, wie begierig waret ihr
Weit von dem Hellespont im Orient
Euch Siege zu bereiten; muthig flog
Die Zierde meines Reichs mir zu, um treu
Kein Schwerdt des Kriegs, und nicht Gefahr zu scheun.
Und nun, ihr tapfre Macedonier,
Hier ist der Sieg, hier eures Muths Triumph -
Der Sieg, der schon aus euren Augen blikt,
Wird des Tyrannen hartes Sclavenjoch,
Womit er all diß Volk despotisch plagt,
Zerreißen, und ihr, Freunde, werdet seyn
Und jedes Nahme, wie einst Hercules.
Seht, wie ein jedes Volk euch Sieger nennt,
Wie es gehorsam euern Arm verehrt,
Der keine Fesseln braucht; ein jeder dient
Euch willig. - Kinder, glaubts, kein Thracien,
Kein steinigtes Illyrien wird's seyn,
Nein! Bactra, und das schöne Indien,
Des Ganges Fluren sind der Sieger Siz:
Da ist der Lohn der Sieger Überfluß.
O! Helden! seht, wie euer schöner Sieg,
Wie er zu glänzen angefangen hat:
Seht euer Rüken, nie von Flucht beflekt,
Hat lauter Ruhmstrophäen hinter sich.
Und du, muthvolle Schaar von Griechenland,
Du wirst zu deinen Füßen ausgestrekt
Die Schößlinge von Xerxes Übermuth
Und all die grausame Verwüster sehn.
Dein Vaterland, dein Wonsiz - war er dein?
Wem war die Quelle deines Wanderers,
Wem deine Saat? - war sie des Schweißes Lohn,
Den ihrer Mutter Bau dich kostete? -
Sie sinds, durch ihre Menge fiel dein Volk;
Der Götter Hallen, welche du verehrst,
Und deren Heiligkeit nur sonst der Raub
Zum Schauer anderer antastete,
Die lagen da, verheert, von Blut besprizt,
Und von der Asche deiner Stadt bedekt.
Ihr, Söhne Thraciens, ihr deren Hand
Nur tapfre Waffen eures Sieges kennt,
Seht, wie der Feind von Gold belastet ist,
Euch, Brüder, ziert es besser, denen's nicht
Die Weichlichkeit als Sclaven geben wird,
Euch mahnts an euern Muth, an euren Sieg.
Geht, raubt den Memmen ihre Last, ihr Gold,
Bewohnt statt eurer nakten Hügel Eis
Und alt bemooste Felsen, eures Feinds
Vergnügenvoller Fluren Fruchtbarkeit.

  
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