Ihr Freunde! mein Wunsch ist Helden zu singen, Meiner Harfe erster Laut, Glaubt es, ihr Freunde! Durchschleich' ich schon so stille mein Tal, Flammt schon mein Auge nicht feuriger, Meiner Harfe erster Laut War Kriegergeschrei und Schlachtengetümmel.
Ich sah, Brüder! ich sah Im Schlachtengetümmel das Roß Auf röchelnden Leichnamen stolpern, Und zuken am sprudelnden Rumpf Den grausen gespaltenen Schädel, Und blizen und treffen das rauchende Schwerd, Und dampfen und schmettern die Donnergeschüze, Und Reuter hin auf Lanzen gebeugt Mit grimmiger Miene Reuter sich stürzen Und unbeweglich, wie eherne Mauren Mit furchtbarer Stille Und Todverhöhnender Ruhe Den Reutern entgegen sich streken die Lanzen.
Ich sah, Brüder! ich sah Des kriegrischen Suezias eiserne Söhne Geschlagen von Pultawas wütender Schlacht. Kein wehe! sprachen die Krieger, Von den blutiggebißnen Lippen Ertönte kein Lebewohl - Verstummet standen sie da In wilder Verzweiflung da Und blikten es an das rauchende Schwerd Und schwangen es höher das rauchende Schwerd, Und zielten - und zielten - Und stießen es sich bitterlächelnd In die wilde braußende Brust.
Noch vieles will ich sehen, Ha! vieles noch! vieles noch! Noch sehen Gustavs Schwerdschlag Noch sehen Eugenius Siegerfaust.
Doch möcht ich, Brüder! zuvor In euren Armen ausruh'n, Dann schweb' ich wieder mutiger auf, Zu sehen Gustavs Schwerdschlag, Zu sehen Eugenius Siegerfaust.
Willkommen, du! - Und du! - Wilkommen! Wir drei sinds? Nun! so schließet die Halle. Ihr staunt, mit Rosen bestreut Die Tische zu sehen, und Weirauch Am Fenster dampfend, Und meine Laren - Den Schatten meiner Stella, Und Klopstoks Bild und Wielands, - Mit Blumen umhängt zu sehen.
Ich wolt' in meiner Halle Chöre versammeln Von singenden rosichten Mädchen Und kränzetragenden blühenden Knaben, Und euch empfangen mit Saitenspiel, Und Flötenklang, und Hörnern, und Hoboen.
Doch - schwur ich nicht, ihr Freunde Am Mahle bei unsers Fürsten Fest, Nur Einen Tag mit Saitenspiel Und Flötenklang, und Hörnern und Hoboen, Mit Chören von singenden rosichten Mädchen, Und kränzetragenden blühenden Knaben Nur einen Tag zu feiren?
Den Tag, an dem ein Weiser Und biedere Jünglinge, Und deutsche Mädchen Zu meiner Harfe sprächen, Du tönst uns Harfe lieblich ins Ohr, Und hauchst uns Edelmuth, Und hauchst uns Sanftmuth in die Seele.
Aber heute, Brüder! O, kommt in meine Arme! Wir feiern das Fest Der Freundschaft heute.
Als jüngst zum erstenmal wieder Der Mäher des Morgens die Wiese Entkleidete, und der Heugeruch Jezt wieder zum erstenmal Durchdüftete mein Tal:
Da war es Brüder! O da war es! Da schlossen wir unsern Bund Den schönen, seeligen, ewigen Bund.
Ihr hörtet so oft mich sprechen, Wie lang' es mir werde Bei diesem Geschlechte zu wohnen, Ihr sahet den Lebensmüden In den Stunden seiner Klage so oft.
Da stürmt' ich hinaus in den Sturm Da sah' ich aus der vorüberjagenden Wolke Die Helden der eisernen Tage herunterschau'n. Da rief' ich den Nahmen der Helden In des hohlen Felsen finstres Geklüft, Und siehe! der Helden Nahmen Rief ernster mir zurük Des hohlen Felsen finstres Geklüft.
Da stolpert' ich hin auf dornigten Trümmern Und drang durchs Schlehengebüsch in den alternden Turm Und lehnte mich hin an die schwärzliche Wände Und sprach mit schwärmendem Auge an ihm hinauf:
Ihr Reste der Vorzeit! Euch hat ein nervigter Arm gebaut, Sonst hätte der Sturm die Wände gespalten Der Winter den moosigten Wipfel gebeugt; Da solten Greise um sich Die Knaben und Mädchen versammlen Und küssen die moosigte Schwelle, Und sprechen - seid wie eure Väter! Aber an euren steinernen Wänden Rauschet dorrendes Gras herab, In euren Wölbungen hangt Zerrißnes Spinnengewebe - Warum, ihr Reste der Vorzeit Den Fäusten des Sturmes trozen, den Zähnen des Winters.
O Brüder! Brüder! Da weinte der Schwärmer blutige Tränen, Auf die Disteln des Turmes, Daß er vieleicht noch lange Verweilen müsse unter diesem Geschlechte, Da sah' er all' die Schande Der weichlichen Teutonssöhne, Und fluchte dem verderblichen Ausland, Und fluchte den verdorbnen Affen des Auslands, Und weinte blutige Tränen, Daß er vieleicht noch lange Verweilen müsse unter diesem Geschlechte.
Doch siehe es kam Der seelige Tag - O Brüder in meine Arme! - O Brüder, da schlossen wir unsern Bund, Den schönen, seeligen, ewigen Bund.
Da fand ich Herzen, - Brüder in meine Arme! - Da fand ich eure Herzen.
Jezt wohn' ich gerne Unter diesem Geschlechte, Jezt werde der Thoren Immer mehr! immer mehr! Ich habe eure Herzen.
Und nun - ich dachte bei mir An jenem Tage, Wann zum erstenmal wieder Des Schnitters Sichel Durch die goldene Ähren rauscht; So feir' ich ihn, den seeligen Tag.
Und nun - es rauschet zum erstenmal wieder Des Schnitters Sichel durch die goldene Saat, Jezt laßt uns feiren, Laßt uns feiren In meiner Halle den seeligen Tag.
Es warten jezt in euren Armen Der Freuden so viel' auf mich,l O Brüder! Brüder! Der edlen Freuden so viel.
Und hab' ich dann ausgeruht In euren Armen, So schweb' ich mutiger auf, Zu schauen Gustavs Schwerdschlag Zu schauen Eugenius Siegerfaust.
|