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An die Deutschen

Beschreibung:  Ein Gedicht von Friedrich Hölderlin
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ISBN: 2070320324   ISBN: 2070320324   ISBN: 2070320324   ISBN: 2070320324 
 
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An die Deutschen


Spottet nimmer des Kinds, wenn noch das alberne
Auf dem Rosse von Holz herrlich und viel sich dünkt,
O ihr Guten! auch wir sind
Thatenarm und gedankenvoll!

Aber kommt, wie der Stral aus dem Gewölke kommt,
Aus Gedanken vieleicht, geistig und reif die That?
Folgt die Frucht, wie des Haines
Dunklem Blatte, der stillen Schrift?

Und das Schweigen im Volk, ist es die Feier schon
Vor dem Feste? die Furcht, welche den Gott ansagt?
O dann nimmt mich, ihr Lieben!
Daß ich büße die Lästerung.

Schon zu lange, zu lang irr ich, dem Laien gleich,
In des bildenden Geists werdender Werkstatt hier,
Nur was blühet, erkenn ich,
Was er sinnet, erkenn ich nicht.

Und zu ahnen ist süß, aber ein Leiden auch,
Und schon Jahre genug leb' ich in sterblicher
Unverständiger Liebe
Zweifelnd, immer bewegt vor ihm,

Der das stetige Werk immer aus liebender
Seele näher mir bringt, lächelnd dem Sterblichen
Wo ich zage, des Lebens
Reine Tiefe zu Reife bringt.

Schöpferischer, o wann, Genius unsers Volks,
Wann erscheinest du ganz, Seele des Vaterlands,
Daß ich tiefer mich beuge,
Daß die leiseste Saite selbst

Mir verstumme vor dir, daß ich beschämt
Eine Blume der Nacht, himmlischer Tag, vor dir
Enden möge mit Freuden,
Wenn sie alle, mit denen ich

Vormals trauerte, wenn unsere Städte nun
Hell und offen und wach, reineren Feuers voll
Und die Berge des deutschen
Landes Berge der Musen sind,

Wie die herrlichen einst, Pindos und Helikon,
Und Parnassos, und rings unter des Vaterlands
Goldnem Himmel die freie,
Klare, geistige Freude glänzt.

Wohl ist enge begränzt unsere Lebenszeit,
Unserer Jahre Zahl sehen und zählen wir,
Doch die Jahre der Völker,
Sah ein sterbliches Auge sie?

Wenn die Seele dir auch über die eigne Zeit
Sich die sehnende schwingt, trauernd verweilest du
Dann am kalten Gestade
Bei den Deinen und kennst sie nie,

Und die Künftigen auch, sie, die Verheißenen
Wo, wo siehest du sie, daß du an Freundeshand
Einmal wieder erwarmest,
Einer Seele vernehmlich seist?

Klanglos, ists in der Halle längst,
Armer Seher! bei dir, sehnend verlischt dein Aug
Und du schlummerst hinunter
Ohne Namen und unbeweint.
  

von Friedrich Hölderlin
Siehe auch:
The Hyperion Schubert Edition Vol. 2
von Stephen Varcoe, Graham Johnson, und Franz Schubert (Komponist) (in Klassische Musik)
The Hyperion Schubert Edition Vol. 3
von Ann Murray, Graham Johnson, und Franz Schubert (Komponist) (in Klassische Musik)
Sonstige Artikel:
Grimms Märchen
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von Philips GmbH
 
   
 
     

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