Die du schon mein Knabenherz entzüktest, Welcher schon die Knabenträne floß, Die du früh dem Lärm der Thoren mich entrüktest, Besser mich zu bilden, nahmst in Mutterschoos,
Dein, du Sanfte! Freundin aller Lieben! Dein, du Immertreue! sei mein Lied! Treu bist du in Sturm und Sonnenschein geblieben, Bleibst mir treu, wenn einst mich alles, alles flieht.
Jene Ruhe - jene Himmelswonne - O ich wußte nicht, wie mir geschah, Wann so oft in stiller Pracht die Abendsonne Durch den dunklen Wald zu mir heruntersah -
Du, o du nur hattest ausgegossen Jene Ruhe in des Knaben Sinn, Jene Himmelswonne ist aus dir geflossen, Hehre Stille! holde Freudengeberin!
Dein war sie, die Träne, die im Haine Auf den abgepflükten Erdbeerstraus Mir entfiel - mit dir ging ich im Mondenscheine Dann zurük ins liebe elterliche Haus.
Fernher sah ich schon die Kerzen flimmern, Schon wars Suppenzeit - ich eilte nicht! Spähte stillen Lächelns nach des Kirchhofs Wimmern Nach dem dreigefüßten Roß am Hochgericht.
War ich endlich staubigt angekommen; Theilt ich erst den welken Erdbeerstraus, Rühmend, wie mit saurer Müh ich ihn bekommen, Unter meine dankende Geschwister aus;
Nahm dann eilig, was vom Abendessen An Kartoffeln mir noch übrig war, Schlich mich in der Stille, wann ich satt gegessen, Weg von meinem lustigen Geschwisterpaar.
O! in meines kleinen Stübchens Stille War mir dann so über alles wohl, Wie im Tempel, war mirs in der Nächte Hülle, Wann so einsam von dem Thurm die Gloke scholl.
Alles schwieg, und schlief, ich wacht' alleine; Endlich wiegte mich die Stille ein, Und von meinem dunklen Erdbeerhaine Träumt' ich, und vom Gang im stillen Mondenschein.
Als ich weggerissen von den Meinen Aus dem lieben elterlichen Haus Unter Fremde irrte, wo ich nimmer weinen Durfte, in das bunte Weltgewirr' hinaus;
O wie pflegtest du den armen Jungen, Teure, so mit Mutterzärtlichkeit, Wann er sich im Weltgewirre müdgerungen, In der lieben, wehmutsvollen Einsamkeit.
Als mir nach dem wärmern, vollern Herzen Feuriger izt stürzte Jünglingsblut; O! wie schweigtest du oft ungestümme Schmerzen, Stärktest du den schwachen oft mit neuem Muth.
Jezt belausch' ich oft in deiner Hütte Meinen Schlachtenstürmer Ossian, Schwebe oft in schimmernder Seraphen Mitte Mit dem Sänger Gottes, Klopstok, himmelan.
Gott! und wann durch stille Schattenheken Mir mein Mädchen in die Arme fliegt, Und die Hasel, ihre Liebenden zu deken, Sorglich ihre grüne Zweige um uns schmiegt -
Wann im ganzen seegensvollen Thale Alles dann so stille, stille ist, Und die Freudenträne, hell im Abendstrale Schweigend mir mein Mädchen von der Wange wischt -
Oder wann in friedlichen Gefilden Mir mein Herzensfreund zur Seite geht, Und mich ganz dem edlen Jüngling nachzubilden Einzig vor der Seele der Gedanken steht -
Und wir bei den kleinen Kümmernissen Uns so sorglich in die Augen sehn, Wann so sparsam öfters, und so abgerissen Uns die Worte von der ernsten Lippe gehn.
Schön, o schön sind sie! die stille Freuden, Die der Thoren wilder Lärm nicht kennt, Schöner noch die stille gottergebne Leiden, Wann die fromme Träne von dem Auge rinnt.
Drum, wenn Stürme einst den Mann umgeben, Nimmer ihn der Jugendsinn belebt, Schwarze Unglükswolken drohend ihn umschweben, Ihm die Sorge Furchen in die Stirne gräbt;
O so reiße ihn aus dem Getümmel, Hülle ihn in deine Schatten ein, O! in deinen Schatten, Teure! wohnt der Himmel Ruhig wirds bei ihnen unter Stürmen sein.
Und wann einst nach tausend trüben Stunden Sich mein graues Haupt zur Erde neigt, Und das Herz sich mattgekämpft an tausend Wunden Und des Lebens Last den schwachen Naken beugt:
O so leite mich mit deinem Stabe - Harren will ich auf ihn hingebeugt, Biß in dem willkommnen, ruhevollen Grabe Aller Sturm, und aller Lärm der Thoren schweigt.
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