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Dein Morgen, Bruder, gieng so schön hervor,
Ein heitres Frühroth glänzte dir entgegen,
Den wonnevollsten Lebenstag verheißend.
Die Musen weihten dich zu ihrem Priester,
Die Liebe kränzte dir das Haupt mit Rosen,
Und goß die reinsten Freuden in dein Herz.
Wer war wie du beglükt? Das Schiksaal hat
Es anders nun gemacht; ein schwarzer Sturm
Verschlang des Tages Licht; der Donner rollte
Und traf dein sichres Haupt; im Grabe liegt,
Was du geliebt; dein Eden ist vernichtet.
O Bruder, Bruder, daß dein Schiksaal mir
So schreklichwahr des Lebens Wechsel deutet!
Daß Disteln hinter Blumengängen lauern,
Daß gift'ger Tod in Jugendadern schleicht,
Daß bittre Trennung selbst den Freunden oft
Den armen Trost versagt, den Schmerz zu theilen!
Da bau'n wir Plane, träumen so entzükt
Vom nahen Ziel, und plözlich, plözlich zukt
Ein Bliz herab, und öfnet uns das Grab.
Ich sah im Geist dein Leiden all. Da gieng
Ich trüben Bliks hinab am Maingestade,
Sah in die Woogen, bis mir schwindelte,
Und kehrte still und voll der dunkeln Zukunft,
Und voll des Schiksaals, welches unser wartet,
Beim Untergang der Sonn' in meine Klause.
O Bruder, komm nach jahrelanger Trennung
An meine Brust! Vieleicht gelingt es uns
Noch einen jener schönen Abende,
Die wir so oft am Herzen der Natur
Mit reinem Sinn und mit Gesang gefeiert,
Zurük zu zaubern, und noch einmal froh
Hinein zu schauen in das Leben! Komm,
Es wartet dein ein eigen Dekelglas,
Stiefmütterlich soll nicht mein Fäßchen fließen.
Es wartet dein ein freundliches Gemach,
Wo unsre Herzen liebAend sich ergießen!
Komm, eh der Herbst der Gärten Schmuk verderbt,
Bevor die schönen Tage von uns eilen,
Und laß durch Freundschaft uns des Herzens Wunden heilen.
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