Titel:

Wenn aus der Ferne...

Beschreibung:  Ein Gedicht von Friedrich Hölderlin
Artikelliste
english
  
ISBN: 3596900549   ISBN: 3596900549   ISBN: 3596900549   ISBN: 3596900549 
 
  Wir empfehlen:       
 

Wenn aus der Ferne


Wenn aus der Ferne, da wir geschieden sind,
Ich dir noch kennbar bin, die Vergangenheit
O du Theilhaber meiner Leiden!
Einiges Gute bezeichnen dir kann,

So sage, wie erwartet die Freundin dich?
In jenen Gärten, da nach entsezlicher
Und dunkler Zeit wir uns gefunden?
Hier an den Strömen der heiligen Urwelt.

Das muß ich sagen, einiges Gutes war
In deinen Bliken, als in den Fernen du
Dich einmal fröhlich umgesehen
Immer verschlossener Mensch, mit finstrem

Aussehn. Wie flossen Stunden dahin, wie still
War meine Seele über der Wahrheit, daß
Ich so getrennt gewesen wäre?
Ja! ich gestand es, ich war die deine.

Wahrhafftig! wie du alles Bekannte mir
In mein Gedächtniß bringen und schreiben willst,
Mit Briefen, so ergeht es mir auch
Daß ich Vergangenes alles sage.

Wars Frühling? war es Sommer? die Nachtigall
Mit süßem Liede lebte mit Vögeln, die
Nicht ferne waren im Gebüsche
Und mit Gerüchen umgaben Bäum' uns.

Die klaren Gänge, niedres Gesträuch und Sand
Auf dem wir traten, machten erfreulicher
Und lieblicher die Hyacinthe
Oder die Tulpe, Viole, Nelke.

Um Wänd und Mauern grünte der Epheu, grünt'
Ein seelig Dunkel hoher Alleeen. Offt
Des Abends, Morgens waren dort wir
Redeten manches und sahn uns froh an.

In meinen Armen lebte der Jüngling auf,
Der, noch verlassen, aus den Gefilden kam,
Die er mir wies, mit einer Schwermuth,
Aber die Nahmen der seltnen Orte

Und alles Schöne hatt' er behalten, das
An seeligen Gestaden, auch mir sehr werth
Im heimatlichen Lande blühet
Oder verborgeAn, aus hoher Aussicht,

Allwo das Meer auch einer beschauen kann,
Doch keiner seyn will. Nehme vorlieb, und denk
An die, die noch vergnügt ist, darum,
Weil der entzükende Tag uns anschien,

Der mit Geständniß oder der Hände Druck
Anhub, der uns vereinet. Ach! wehe mir!
Es waren schöne Tage. Aber
Traurige Dämmerung folgte nachher.

Du seiest so allein in der schönen Welt,
Behauptest du mir immer, Geliebter! das
Weist aber du nicht.

  
Gesammelte Werke
von Friedrich Hölderlin,
Hans-Jürgen Balmes
Siehe auch:
Gesammelte Werke
Hölderlin. Ein Roman
Der Kampf mit dem Dämon: Hölderlin, Kleist, Niet...
Interpretationen. Gedichte
von Friedrich...
Sämtliche Werke (Quarto)
Sämtliche Werke und Briefe: Zweibändige A...
 
   
 
     

Diese Seite ist Bestandteil folgender Projekte: CopyrightedBy.com, Poesie.

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/H/hoelderlin
Poesie/Startseite/gedichte_w

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.

Artikelliste:
Abbitte
Abendphantasie
Abschied
Achill
Adramelech
Advocatus diaboli
Alexanders Rede an seine Soldaten...
...
   
  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum