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Lied der Freundschaft

Beschreibung:  Ein Gedicht von Friedrich Hölderlin
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Lied der Freundschaft


Wie der Held am Siegesmahle
Ruhen wir um die Pokale
Wo der edle Wein erglüht,
Feurig Arm in Arm geschlungen
Trunken von Begeisterungen
Singen wir der Freundschaft Lied.

Schwebt herab aus külen Lüften
Schwebet aus den Schlummergrüften
Helden der Vergangenheit!
Kommt in unsern Krais hernieder
Staunt und sprecht: da ist sie wieder
Unsre deutsche Herzlichkeit!

Uns ist Wonne, Gut und Leben
Für den Edlen hinzugeben,
Der für unser Herz gehört,
Der zu groß, in stolzen Reigen
Sich vor eitlem Tand zu beugen,
Gott und Vaterland nur ehrt.

Schon erhebt das Herz sich freier,
Wärmer reicht zur frohen Feier
Schon der Freund den Becher dar,
Ohne Freuden, ohne Leben
Kostet' er den Saft der Reben,
Als er ohne Freunde war.

Bruder! schleichen bang und trübe
Deine Tage? beugt der Liebe
Folterpein das Männerherz?
Stürzt im heißen Durst nach Ehre
Dir um Mitternacht die Zähre?
Bruder seegne deinen Schmerz!

Könten wir aus Götterhänden
Freuden dir und Leiden spenden
Ferne wärst du da von Harm
Weiser ist der Gott der Liebe
Sorgen giebt er bang und trübe,
Freunde giebt er treu und warm.

Stärke, wenn Verläumder schreien
Warheit, wenn Despoten dräuen,
Männermuth im Misgeschik
Duldung, wenn die Schwachen sinken
Liebe, Duldung, Wärme trinken
Freunde von des Freundes Blik.

Lieblich, wie der Sommerregen
Reich, wie er, an Erndteseegen
Wie die Perle klar und hell,
Still, wie Edens Ströme gleiten,
Endlos, wie die Ewigkeiten
Fleußt der Freundschaft Silberquell.

Drum, so wollen, eh die Freuden
Trennungen und Tode neiden
Wir im hehren Eichenhain
Oder unter Frülingsrosen
Wenn am Becher Weste kosen
Würdig uns der Freundschaft freu'n.

Rufet aus der trauten Halle
Auch die Auserwälten alle
In die Ferne das Geschik,
Bleibt, auf freundelosen Pfaden
Hinzugeh'n mit Schmerz beladen
Tränend Einer nur zurük.

Wankt er nun in Winterstürmen
Wankt er, wo sich Wolken türmen
Ohne Leiter, ohne Stab;
Lauscht er abgeblaicht und düster
Bangem Mitternachtsgeflüster
Ahndungsvoll am frischen Grab;

O da kehren all die Stunden
Lächelnd, wie sie hingeschwunden
Unter Schwüren, wahr und warm,
Still und sanft, wie Blumen sinken
Ruht er, bis die Väter winken
Dir, Erinnerung! im Arm.

Rauscht ihm dann des Todes Flügel,
Schläft er ruhig unter'm Hügel
Wo sein Bund den Kranz ihm flicht
In den Lokken seiner Brüder
Säuselt noch sein Geist hernieder
Lispelt leis: vergeßt mich nicht!

  
Kunstreproduktion: Franz Karl Hiemer, Friedrich Hölderlin / Hiemer, 49 x 71
von Kunst für Alle
Siehe auch:
Kunstreproduktion: Philipp Otto Runge, Die Hülsenbeckschen Kinder, 117 x 105
von Kunst für Alle (in Küche & Haushalt)
Kunstreproduktion: John William Waterhouse, The Siren, 48 x 71
von Kunst für Alle (in Küche & Haushalt)
Kunstreproduktion: Heilige Hildegard von Bingen, Hildegard v. Bingen, Scivias, Illustr., 48 x 71
von Kunst für Alle (in Küche & Haushalt)
Kunstreproduktion: ömischhellenistische Malerei, Röm.-hellenistisch/ Mädchen mit Parfüm, 47 x 71
von Kunst für Alle (in Sonstiges)
Kunstreproduktion: Pierre Auguste Renoir, , 85 x 71
von Kunst für Alle (in Küche & Haushalt)
 
   
 
     

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